Beheizter Hangplatz
Projektlaufzeit: November 2022 / 12 Jahre Zweckbindungsfrist
Quartieroptimierung eines Sommervorkommens der Kleinen Hufeisennase in der Stadt Bad Liebenstein
Fachliche Betreuung durch die Interessengemeinschaft Fledermausschutz und Forschung in Thüringen (IFT)
Im Rahmen von Abrissarbeiten eines Heizhauses und dem Neubau eines Kur- und Therapiegebäudes konnten 2007 erstmals Kleine Hufeisennasen in den Heizkanalsystemen der Bad Liebensteiner Kuranlagen nachgewiesen werden. Diese Fledermausart nutzte Kellerfenster im Heizhaus als Ein- und Ausflug zu den unterirdischen Gängen. Bei Ausflugszählungen in den vergangenen Jahren wurden regelmäßig 4 bis 6 Tiere beobachtet.
Die Kleine Hufeisennase bevorzugt in der Wochenstube Temperaturen um etwa 25 °C. Aufgrund der fehlenden Abwärme der Heizrohre im Kanalsystem haben sich die Quartierbedingungen in den letzten Jahren jedoch deutlich verschlechtert. Dies hat vermutlich zu einem Rückgang der Population und zu einem gefährdeten Reproduktionserfolg geführt. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, wurde ein beheizbarer Hangplatz für das Sommerhalbjahr installiert.
Diese Methode hat sich in der Praxis bereits bestens bewährt. Es gibt mehrere Beispiele, die belegen, dass die Kleine Hufeisennase diese Plätze schnell und gerne annimmt (Traditionsbildung). Dazu zählen Standorte wie Schweina (FFH-Punktobjekt F10a), das Ökumenische Hainich-Klinikum Mühlhausen (FFH-Punktobjekt F6) sowie mehrere Standorte im Osterzgebirge (Sachsen), darunter Bad Gottleuba (Heizungsschächte Kurklinikum), Kneippbad Bergießhübel und Bahretal, sowie in Österreich (ARGE Naturschutz Fledermaushaus bei Klagenfurt).
Als FFH-Art (Anhang II und IV) gilt der Kleinen Hufeisennase besondere Aufmerksamkeit, insbesondere hinsichtlich des Schutzes ihrer Lebensstätten. Thüringen trägt eine besondere Verantwortung für diese Art, da es mitten im verbliebenen Hauptverbreitungsgebiet liegt.

Heizkanalsystem
Skizze des Hangplatzes im Querschnitt - rote Wellen = warme Luft, blaue Wellen = kalte Umgebungsluft

Fertig installierter Hangplatz
Da die Kleine Hufeisennase nur ein Junges pro Jahr gebärt und durch ungünstige Witterungsverhältnisse große Verluste erleiden können, handelt es sich um eine langsam wachsende Population. Durch die Anbringung des beheizten Hangplatzes sollen optimale Bedingungen geschaffen werden, um während der Jungenaufzucht gleichbleibende Temperaturen zu gewährleisten.
Neben dem Erhalt der aktuell noch recht kleinen Wochenstube soll durch diese Maßnahme eine sukzessive Ansiedlung weiterer Tiere erfolgen. Es ist bekannt, dass Hufeisennasen ihre Winter- und Sommerquartiere bevorzugt in unmittelbarer Nähe zueinander wählen. Das Kanalsystem liegt direkt neben dem Winterquartier (FFH-Punktobjekt F10c Erdfall/Felsenkeller Bad Liebenstein), das in den Wintermonaten regelmäßig über 10 Hufeisennasen sowie weitere Fledermausarten beherbergt. Durch die verbesserten Bedingungen soll der Verbund zwischen Sommer- und Winterquartier gestärkt werden, um eine wachsende Population vor Ort zu etablieren.
Der Hangplatz besteht aus einer elektronisch betriebenen Heizmatte mit Thermostat, die von April bis August eine konstante Temperatur von 25 bis 30 °C gewährleistet. Ein gespanntes Drahtgitter, das etwa 15 cm Abstand zur Heizmatte hat, dient den Fledermäusen als Hangplatz. Vier Seitenwände sorgen für einen gewissen Wärmestau, sodass ein möglichst gleichmäßig warmer Bereich erhalten bleibt.
Ein Temperaturfühler überwacht die Temperatur und gibt die Werte an ein Schaltsystem weiter. Sobald eine bestimmte Temperaturgrenze unterschritten wird, schaltet sich die Heizmatte wieder ein und wärmt sich erneut auf. Auf diese Weise soll ein Dauerbetrieb vermieden und die Energiekosten reduziert werden.
Die Förderung erfolgt über ein NALAP-Projekt, das sowohl Material als auch Installation unterstützt. Für die anfallenden Energiekosten ist jedoch keine Förderung über NALAP möglich; diese müssen durch Vereine, Träger oder Spenden abgedeckt werden.

Maximum von 18 Tieren am 02.08.2023

Maximum von 32 Tieren am 13.07.2024
Bisheriges Fazit
Der Einbau des Hangplatzes erfolgte im November 2022. Anfang April 2023 wurde er aktiviert und sofort von den Tieren angenommen. Um häufige Störungen zu vermeiden, wurde eine Wildkamera unter dem Hangplatz installiert, die alle vier Wochen kontrolliert wird. Es konnten mindestens vier Jungtiere nachgewiesen werden – eine erfolgreiche Reproduktion fand also statt. Am 2. August wurde ein Maximum von 18 Tieren festgestellt.
In diesem Jahr hat sich die Zahl der Tiere nochmals deutlich erhöht: So konnten mindestens sechs Jungtiere beobachtet werden, und am 13. Juli wurde mit 32 Tieren die Maximalzahl erreicht.
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